Die Versicherungswelt im digitalen Wandel – ein Interview mit Peter Weiler, Vorstand R+V Versicherung – Teil 2

Die R+V Versicherung ist einer der renommiertesten und größten Versicherer Deutschlands. Das Unternehmen ist Teil der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken und blickt auf eine lange Erfolgshistorie zurück – von der Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zur Neustrukturierung der Konzerngruppen. Aber auch an einem solchen Track Record geht die Digitalisierung nicht spurlos vorbei. Willms Buhse traf den Vorstand der R+V Peter Weiler zum Interview. Den ersten Teil des Gesprächs finden Sie hier auf unserem Blog.

Herr Weiler, welche Chancen sehen Sie durch die Digitalisierung für das Geschäftsmodell der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken?

Unser großer Wettbewerbsvorteil besteht in einer etablierten Vertrauensbeziehung zu unseren Kunden und unserer Reputation. Außerdem bieten wir als Allfinanzgruppe gemeinsam mit den Volksbanken Raiffeisenbanken einen Omni-Kanal-Ansatz mit Präsenz und guter Beratung für komplexe Themen durch unsere Ansprechpartner vor Ort. Die Voraussetzungen sind gut, aber der Prozess ist anspruchsvoll und langwierig.

Was ist aus Ihrer persönlichen Sicht die Rolle des Vorstands in der Transformation?

Die Rolle des Vorstands in der Transformation liegt für mich auf der Hand. Sie besteht vor allem in der Vorbildfunktion. Er muss fordern, fördern und vormachen. Die große Herausforderung besteht darin, schnelle Entscheidungen zu treffen und Mut zu haben, auch unkonventionelle Lösungen zu unterstützen. Eine vernetzte Zusammenarbeit mit den Abteilungen bedeutet auch, voneinander zu lernen. Als Versicherer sind wir es gewohnt, Risiken zu kalkulieren und vermeiden diese eher. Risikosensitivität ist Teil unseres Geschäftssystems, solides Arbeiten ein Markenkernwert. Diese Attribute und unser Image haben uns in der Finanzkrise geholfen, als Hort der Sicherheit wahrgenommen zu werden. Der Vorstand hat die Aufgabe, diese mit den neuen Anforderungen im Zuge der Digitalen Transformation zu vereinbaren.

Peter Weiler – Vorstand der R+V

Agilität ist in aller Munde – wo sehen Sie die Potenziale bei R+V?

Wir sammeln bereits gute Erfahrungen mit agilem Arbeiten. Allerdings: Das Risiko beim agilen Arbeiten besteht darin, dass man zu oberflächlich, zu schnell und zu einfach vorgeht. Agilität heißt eben nicht, dass man nicht mehr plant. Es bedeutet nicht Chaos, sondern systematisches Vorgehen und Disziplin – die Methoden sind leicht zu lernen, aber das richtige Mindset dafür umso schwerer. Schnelle Entscheidungen bottom-up führen zu Beschleunigung. Aber auch bei agilem Vorgehen schadet Nachdenken nicht. Agilität ist keine Zauberlösung.

Was erwarten Sie persönlich von einem Chief Digital Officer (CDO)? Welche Qualitäten muss er mitbringen?

Der CDO mit seinem Bereich hat eine Bündelungs- und Treiberrolle, muss aktiv den digitalen Wandel gestalten und unsere digitalen Aktivitäten auf unsere strategischen Ziele ausrichten. Er muss das Gesamtunternehmen mitnehmen und dabei im Kontakt zu den anderen Bereichen stehen und integrativ wirken. Der CDO soll die Geschwindigkeit steigern, ohne die anderen zu verlieren. Dafür braucht er kommunikative und integrative Fähigkeiten.

Wie schätzen Sie die Aufstellung der R+V zum Thema Digitalisierung nach dem Projekt mit doubleYUU ein?

Die Zusammenarbeit mit doubleYUU hat uns sehr geholfen. Wir wussten, dass wir etwas tun mussten, bloß wie wir es strategisch ausgestalten wollten, war unklar. Wie schafft man den Wandel, was ist sind Aufgaben, und welche Optionen zur Ausgestaltung und Steuerung haben wir? Das waren die Fragestellungen, die es zu beantworten galt und mit denen wir unzureichende Erfahrung hatten. Von doubleYUU erhielten wir viel Erfahrung und auch Wissen aus anderen Branchen von outside-in. Das hat gut funktioniert. Unsere Herausforderung in 2018 ist die Akzeptanz und Integration dieser Impulse im täglichen Tun. Das hängt allerdings stark von den handelnden Personen ab. Dieses Jahr haben wir auch dank doubleYUU die Grundlage dafür geschaffen, damit die Digitalisierung keine bürokratische Hürde wird. Davon haben wir ohnehin genug.

Was schätzen Sie persönlich an der Zusammenarbeit mit doubleYUU?

doubleYUU hat es geschafft, ein sehr heterogenes Projektteam mit partizipativen Methoden auf gemeinsame Ergebnisse zu bringen. In Workshops haben wir viele gute Ideen für die Gestaltung ausgearbeitet. Am Ende stand unser komplettes Projektteam hinter dem Gesamtergebnis. Dadurch war der Entscheidungsprozess im Vorstand hochgradig konsensfähig. Das ging nur durch die gute Begleitung und das strategische Steuern seitens doubleYUU.

Vielen Dank für das Gespräch und die spannende Zusammenarbeit, Herr Weiler.

Von | 2017-11-13T17:26:55+00:00 November 13th, 2017|Blog|0 Kommentare

Über den Autor:

Willms Buhse
Dr. Willms Buhse ist Experte für Digital Leadership, Gründer und CEO von doubleYUU, einer Managementberatung spezialisiert auf die Digitale Transformation.

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