Droht ein Aussterben der Enterprise 2.0 – Treiber in Großunternehmen?

Mit Sorge verfolge ich die Diskussion, die Rawn Shah mit seinem Artikel bei Forbes eröffnet hat, die mich und auch mein Team bei doubleYUU hellhörig macht: „Is social business as a field dying, or is it heading for something greater?“

Eine berechtigte Frage, denn Susan Scrupski, Dave Gray, Peter Kim, Alan Lepofsky, Bilal Jeffrey oder Kat Mandelstein – oder in Deutschland z.B. Stephan Grabmeier sind nur einige der Enterprise 2.0-Vorreiter aus großen Unternehmen, die sich beruflich neu orientieren.

Weiter geht es für diese ehemaligen Enterprise 2.0- und Social Business-Treiber mit:

  • Selbständigkeit
  • Ähnlicher Tätigkeit in anderen Unternehmen
  • Organisationen, die sich verändern und bisher unbekannte Leistungen anbieten
  • Zusammenschluss von kleineren zu größeren Beratungen

Das klingt erst einmal gut: erfolgreiche Macher suchen sich neue Betätigungsfelder, die ebenfalls viel Erfüllung versprechen – Bücher, Speaking, neue Beratungsfirmen, neue Arbeitgeber. Aber was ist der Hintergrund?

Emanuele Quintarelli von Ernst & Young erklärt sich die vielen Personalrochaden so: In den Unternehmen ist angekommen, welche Bedeutung und welches Potential Social Business und Enterprise 2.0 haben. Dabei entstehen, was Gehalt, Verantwortung und Einflussnahme angeht, ganz neue Möglichkeiten für die Antreiber von Social Business und Enterprise 2.0.

Zukünftig wird Quintarelli zufolge dann auch das Wort „Social“ – im Sinne von Social Business –  alltäglich werden und die Prozesse werden dementsprechend weiter entwickelt. „The idea becomes the reality, and the reality becomes the norm, thereby obviating the need for a name.

Das  heißt also,  die Social Business- und Enterprise 2.0-Pioniere waren so erfolgreich, dass sie sich quasi selbst abschaffen? Was sie tun ist inzwischen so Mainstream, dass sie nicht mehr gebraucht werden? Das wäre ja eine gute Nachricht.

Auch ich arbeite immer wieder mit Unternehmen zusammen, bei denen bei Themen wie Collaboration und vernetzte Zusammenarbeit die Frage nach dem „Warum?“ durch die Frage nach dem „Wie?“ ersetzt wurde. Häufiger erlebe ich allerdings, dass diese Themen doch noch nicht Mainstream sind. Sondern dass im Gegenteil, gerade die Veränderer als erste ganz massiv erfahren, wie groß die Beharrungskräfte in den Unternehmen sind, wenn der Forderung nach vernetzter Zukunft nachgekommen werden soll. Und dass dies mitunter für Frust bei den Machern sorgt.

Was meinen Sie? Ist es Zufall, dass sich gerade jetzt so viele der Social Leader umorientieren? Oder ein Grund zur Besorgnis, da die Aufgabe, Enterprise 2.0 in großen Unterhemen einzuführen und die Mitarbeiter zu einem neuen „Spirit“ zu führen, offenbar zur Frustration führt?

Beim nächsten Mal erfahren Sie, welche Interpretation ich für die wahrscheinlichere halte.

Über den Autor: Willms Buhse

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Dr. Willms Buhse, CEO und Gründer von doubleYUU, bringt mit Digital Leadership die Innovationen des Silicon Valley in die Büros der deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an deutschen Elite-Universitäten in Berlin, München oder Hamburg. Dr. Willms Buhse gilt über deutsche Grenzen hinaus als Vordenker der digitalen Elite. Wie kein Zweiter versteht er es, Ideen und Impulse aus der digitalen Welt auf die Realität deutscher Unternehmen zu übertragen.