Responsible AI: Warum KI vor allem eine Führungsaufgabe ist
Vor kurzem durfte ich in der Handelskammer Hamburg einen Teil des Themenabends „Responsible AI: Von der Ethikdebatte zur Führungsaufgabe“ moderieren. Rund 100 Teilnehmende waren dabei — und es wurde schnell deutlich: Das Thema Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur eine technologische Diskussion. Es ist eine Frage von Verantwortung, Haltung und guter Führung.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg e.V. und The Interface Society (ThIS!) im Forum der Handelskammer Hamburg ausgerichtet. Dieser Rahmen war besonders passend. Denn wenn über verantwortungsvolle KI gesprochen wird, geht es nicht nur um neue Tools, Effizienzgewinne oder Automatisierung. Es geht auch um Vertrauen, Verlässlichkeit und die Frage, wie Unternehmen mit einer Technologie umgehen, die Arbeitsweisen, Entscheidungen und Geschäftsmodelle tiefgreifend verändert.
In den beiden Panel-Diskussionen wurde aus sehr unterschiedlichen Perspektiven deutlich, worauf es jetzt ankommt.
- Cathrin Herweg (HASPA) zeigte am Beispiel der HASPA, dass erfolgreiche KI-Einführung vor allem eine Frage der Befähigung von Menschen ist. Technologie allein schafft noch keinen Nutzen. Erst wenn Menschen verstehen, ausprobieren, lernen und klare Leitlinien haben, kann KI im Alltag sinnvoll wirken.
- RA Oliver Süme (Fieldfisher) machte deutlich, dass verantwortungsvolle KI ohne Spielregeln nicht funktionieren wird. Datenschutz, Urheberrecht, Compliance und Governance müssen von Anfang an mitgedacht werden — nicht erst dann, wenn erste Probleme entstehen.
- Stefan Scharr (SAB Ingenieurgesellschaft) fand dafür ein sehr treffendes Bild: KI ist ein Stück weit wie Autofahren. Man muss die Regeln kennen und ein Grundverständnis der Technik haben. Ob daraus aber ein verantwortungsvoller Umgang entsteht, entscheidet am Ende nicht die Technologie. Es entscheidet der Mensch.
- Auch Bernhard Fischer-Appelt (fischerAppelt) und Michael Schulz (iteratec) machten eindrucksvoll deutlich, mit welcher Geschwindigkeit sich gerade ganze Arbeitsweisen verändern. KI ist nicht einfach ein weiteres digitales Werkzeug. Sie verändert Prozesse, Rollen, Zusammenarbeit und zunehmend auch das Verhältnis zwischen Menschen, Systemen und autonomen Agenten.
Genau deshalb ist KI-Transformation heute Chefsache.
Für Führung bedeutet das: Wir brauchen technologische Neugier, aber keine blinde Euphorie. Wir brauchen Geschwindigkeit, aber nicht auf Kosten von Qualität und Verantwortung. Und wir brauchen klare Leitplanken, aber ebenso Räume zum Lernen, Ausprobieren und Reflektieren.
Denn Responsible AI entsteht nicht allein durch Leitlinien, Ethikpapiere oder Governance-Modelle. So wichtig all das ist: Wirklich sichtbar wird verantwortungsvolle KI im Führungsalltag. Dort, wo entschieden wird, was automatisiert wird. Dort, wo geklärt wird, wann menschliche Kontrolle notwendig bleibt. Und dort, wo Teams mit Unsicherheit, Überforderung und Veränderung umgehen müssen.
Ein Gedanke zog sich für mich wie ein roter Faden durch den Abend: Responsible AI beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit der Verantwortung des Menschen.
Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Denn Führungskräfte stehen heute vor der Aufgabe, Orientierung zu geben, obwohl sich viele Antworten gerade erst entwickeln. Sie müssen ermöglichen, ohne alles kontrollieren zu können. Sie müssen Tempo zulassen, ohne Sorgfalt zu verlieren. Und sie müssen Teams befähigen, mit KI produktiv zu arbeiten, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Mein Abschluss-Statement des Abends war deshalb:
Je mehr Maschinen das Denken übernehmen, desto menschlicher muss Führung werden.
Für mich wurde an diesem Abend einmal mehr deutlich: KI macht Führung nicht überflüssig. Sie macht Führung wichtiger. Vielleicht sogar wichtiger als je zuvor. Denn die Zukunft wird nicht allein von der leistungsfähigsten KI geprägt werden. Sie wird von den Menschen geprägt, die Verantwortung für ihren Einsatz übernehmen.
Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Teilnehmenden und der Projektgruppe „Responsible AI“ innerhalb der VEEK, die diesen Abend mit konzipiert hat. Vielen Dank auch an Dr. Florian H. H. Brill, Stefan Preusse, Marius Eschen und Alexandra Dannenberg für die tolle Vorbereitung dieser zweiten Veranstaltung.
Und eines ist sicher: Eine dritte Veranstaltung dieser „Responsible AI“-Reihe folgt bestimmt noch in diesem Jahr.
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