E2.0-Treiber sterben aus Teil 2: Frust und Überforderung in der digitalen Transformation?

Wie am Donnerstag berichtet, suchen sich eine Reihe von Enterprise 2.0- und Social Business-Experten in den Vereinigten Staaten und auch in Deutschland neue Aufgaben. Ist das ein gutes Zeichen oder ein Alarmsignal? Dieses Thema beschäftigt auch Cordelia Krooß, Gewinnerin des LIDA- Awards, Expertin für Change Management bei BASF und eine der treibenden Kräfte hinter connect.BASF, dem Social Intranet des Unternehmens.

Auf Facebook hat sie mit der Frage, ob Frustration der Hintergrund für die Jobwechsel sei, eine interessante Diskussion angestoßen.

Dass der Wandel seine Zeit – und vielleicht auch zu viel Zeit – braucht, vermutet Harald Schirmer von Conti. „Kultur ist keine Software“ schreibt er – soll heißen: Den Gedanken, dass „Social Business“-Projekte rein technischer Natur sind und die entsprechenden Änderungen wie eine Software, in Unternehmen aufgespielt und direkt genutzt werden kann, hält er für falsch. Es sei vielmehr eine Änderung in der gesamten Unternehmenskultur notwendig. Und die kann dauern. Länger als Pioniere, die, so gibt Mitdiskutant Jamil Quaj zu bedenken, ständig nach neuen spannenden Herausforderungen suchen, warten.

„Over the past months I heard from a scarily high number of E20 pioneers that they pondered quitting their jobs“, verrät dann auch Cordelia Krooß. Der Zusammenhalt innerhalb der Community der Veränderer hilft ihr zufolge zwar vielen, sich zu motivieren. Das allein aber reiche nicht aus.

Meiner Erfahrung nach ist das Einführen von Social Business in vielen Unternehmen ein stark persönlich geprägtes Thema. Häufig ist es nicht die Hauptaufgabe eines Mitarbeiters, die vernetze Zusammenarbeit voran zu bringen und aus dem Unternehmen eine „Enterprise 2.0“ zu machen, sondern ist vielmehr eine persönliche „Mission“.  Sie wird aus Überzeugung neben der eigentlichen Arbeit verfolgt.

Problematisch und frustrierend kann das werden, wenn die Organisation den Wandel nicht von oben unterstützt. Das Umdenken in den Köpfen nicht läuft wie geplant. Wenn der Pionier, angetrieben von seiner Überzeugung, soviel mehr an Energie für seine „Mission“ einsetzt, dass weniger davon für seine eigentliche Arbeit übrig bleibt. Wenn nun die eigentliche Arbeit darunter leidet und in beiden Bereichen Erfolgserlebnisse ausbleiben, kann dies zu einem Teufelskreis werden. Die Frustration wird größer. Kann im schlimmsten Fall zum Burn Out führen.

Oder eben dazu, dass jemand lieber geht und dort weiter arbeitet, wo seine Themen eher auf Resonanz stoßen. „I guess that we as doers don’t want to mold in boring silo struggles, when the world is turning“, schreibt Andreas H. Bock, einer der Initiatoren des Supportkanals @Telekom_hilft.

Ähnlich ging es auch Dirk Hellmuth, der nach erfolgreicher Transformation eines kleinen Unternehmens in eine Enterprise 2.0. die positiven Effekte nicht mehr missen wollte: „ein Beweggrund für den Schritt in die Selbständigkeit ist mitunter auch, die Arbeitsformen, von denen man überzeugt ist, frei gestalten und leben zu können.

Was hier helfen würde? Entscheider, die das Thema verstehen und antreiben und die Pioniere nicht im Regen stehen lassen. Digital Leadership ist ein Kernthema für diese Veränderungsprozesse – dies jedenfalls ist eine Erkenntnis, die ich aus dieser Diskussion mitnehme.

Unabhängig von der Diskussion auf Facebook hat Björn Negelmann meine Ausgangsfrage nach einem möglichen Aussterben von Enterprise 2.0 Treibern aufgegriffen und um weitere Expertenmeinungen ergänzt. So ist Luis Suarez davon überzeugt, dass „People who have done social business have become assimilated. They are not chasing the spirit of trying to change the business anymore but only support the adoption of social technologies within the company.”

Ist dies schon der Anfang vom Ende? Negelmann sieht auch Lichtblicke und gibt folgenden Ausblick in die Zukunft: “Social Enterprise 2013/14″ is the twilight of the over-hyped social business story but the dawn of the management (r)evolution.

Wie sind Ihre Erfahrungen hier? Welches sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für eine Frustration bei der Wandlung zu einem Social Business mit vernetzter Zusammenarbeit? Und was sollte getan werden, um dem vorzubeugen? Ich bin gespannt auf Vorschläge!

Beim nächsten Mal bekommen Sie an dieser Stelle Tipps, wie Enterprise 2.0-Treiber Frust vermeiden können, damit sie nicht entnervt das Handtuch werfen.

Über den Autor: Willms Buhse

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Dr. Willms Buhse, CEO und Gründer von doubleYUU, bringt mit Digital Leadership die Innovationen des Silicon Valley in die Büros der deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an deutschen Elite-Universitäten in Berlin, München oder Hamburg. Dr. Willms Buhse gilt über deutsche Grenzen hinaus als Vordenker der digitalen Elite. Wie kein Zweiter versteht er es, Ideen und Impulse aus der digitalen Welt auf die Realität deutscher Unternehmen zu übertragen.