//So werden Sie digitaler Vorreiter im Mittelstand

So werden Sie digitaler Vorreiter im Mittelstand

Elo Fachkongress: digitaler Vorreiter im Mittelstand werden

Eine der Kernaussagen meiner Keynote beim ELO Digital Office Fachkongress war: „Mehr digitales Selbstbewusstsein!“. Vor rund 700 Zuhörern, viele selbst Führungskräfte oder Inhaber von Mittelstandsfirmen, ging es um die Chancen, die die Digitalisierung für alle Unternehmen birgt. Dabei bietet die digitale Transformation positive Aussichten in zweierlei Hinsicht: Zunächst als Möglichkeit, Effizienz zu steigern, also mit weniger Aufwand mehr Produktivität zu erzielen. Vor allem aber als Chance, innovative Geschäftsfelder, also neue oder signifikant verbesserte Produkte zu entwickeln.

Der Mittelstand vernachlässigt die Digitalisierung

Aus meiner Sicht ist es nicht erstaunlich, dass sich gerade der Mittelstand damit oft schwer tut. Auf den ersten Blick haben Mittelstandsfirmen es eigentlich leichter, weil sie nicht durch umfangreiche Mikropolitik und Absicherung von Bereichspfründen ausgebremst werden, wie etwa oft Konzerne. Aber eine Studie der Mittelstandsinitiative der Commerzbank aus 2015 belegt, dass gerade der Mittelstand die Digitalisierung vernachlässigt – und das, obwohl 86 Prozent von 4.000 befragten Führungskräften an die Chance durch Digitalisierung glaubt.

Knapp zwei Drittel der Führungskräfte gaben an, sich in Märkten mit ausgereiften Produkten und Dienstleistungen zu bewegen, die durch starken Verdrängungswettbewerb und immer kürzer werdende Innovationszyklen gekennzeichnet sind. Daraus ziehen die Unternehmer allerdings mehrheitlich den Schluss, dass Digitalisierung vorrangig zur Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung genutzt werden sollte und weniger zur Entwicklung von Innovationen oder der Erschließung neuer Vertriebswege. Nun ja. Nichts gegen die Nutzung digitaler Technologien, um Kosten zu minimieren, aber das allein ist zu kurz gedacht.

Hätte sich Angelique Kerber in den vergangenen Monaten und Jahren darum gekümmert, mit möglichst wenig Trainingsaufwand möglichst gut zu werden, wäre sie unter Umständen heute eine ordentliche Tennisspielerin. Aber um ein Grand Slam-Turnier zu gewinnen, braucht es eine andere Einstellung, nämlich diese: „Mein Ziel ist es, etwas Großes zu holen. Ich will voll angreifen, es soll bei den wichtigen Turnieren endlich krachen. Ich denke, ich bin bereit, etwas Großes zu gewinnen.“ Und Handballtorwart Andreas Wolff bekundete, nachdem das Halbfinale gewonnen war: „Ich bin hierhergefahren, um Europameister zu werden!“.

Wir haben es in der Hand

Was müssen also heute Nischenmarktführer tun, um den Digitalisierungszug nicht zu verpassen? Nicht jedes Technologieunternehmen kann autonom fahrende Autos entwickeln – aber: fast 90 Prozent aller Innovationen weltweit sind Produkte oder Dienstleistungen mit Bezug zur digitalen Welt. So manch einem flattern bei diesem Gedanken die Hosen, auch bei meiner Keynote und den begleitenden und anschließenden Diskussionen. Denn im Vordergrund steht bei vielen derzeit eine ganz andere Aussage, nämlich die, dass die Digitalisierung in den Industrienationen weltweit Millionen Arbeitsplätze kosten wird – allein in der Versicherungsbranche spricht McKinsey laut einer aktuellen Studie von knapp 30 Prozent im operativen Geschäft in den nächsten 10 Jahren. Vergessen wird dabei aus meiner Sicht aber vor Allem eines: Wir sprechen hier von einem weltweit übergreifenden Phänomen, das natürlich nicht überall gleichverteilt stattfindet. Und ob wir weltweit zu den Verlierern oder Gewinnern dieses Phänomens gehören, haben wir selbst in der Hand! So wie Tennisspieler oder Handballer.

Das machen Digitale-Pioniere anders

Anders ausgedrückt: Die Gefahr, an der Digitalisierung in Form von Innovation nicht teilzunehmen ist viel größer als die Gefahr, die von der Digitalisierung ausgeht. Dazu allerdings braucht es – auch und gerade im Mittelstand – Mut und Selbstbewusstsein. „Innovationen sind eher Kopfsache als eine Ressourcenfrage“, sagt Markus Beumer, Vorstand der Commerzbank und verantwortlich für das Mittelstandsgeschäft, „Man muss den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren, umzudenken und riskieren, damit anzuecken.“ Und so finde ich es besonders spannend, was laut der Commerzbank-Studie die Gruppe der digitalen Vorreiter im Mittelstand anders macht als der Rest:

1. Sie starten Pilotprojekte (+28 Prozent gegenüber dem Durchschnitt).
2. Sie analysieren Ihr eigenes Potenzial, statt sich nur am Marktumfeld zu orientieren (+26 Prozent).
3. Sie schaffen kreative Freiräume (+25 Prozent).
4. Sie stellen technische Spezialisten ein (+ 24 Prozent).

Zusammenfassend bestätigt sich die Kernaussage „Mehr digitales Selbstbewusstsein“ meiner Keynote. „Digitale Vorreiter warten nicht ab, sondern setzen auf Innovationen und Ausprobieren, um sich in engen Märkten einen Vorsprung zu verschaffen“, fasst auch Beumer die Erfolgsfaktoren digitaler Vorreiter zusammen. Ich möchte noch aus meiner Erfahrung ergänzen:

5. Sie machen das Thema zur Chefsache.
6. Sie haben ein Netzwerk aus festen und freien Spezialisten.

Diese beiden letzten Punkte sind wichtig, denn um kreative Freiräume zu schaffen, müssen wichtige Eigenschaften wie hohe Fehlertoleranz, Offenheit und Neugierde bei den Akteuren vorliegen. Das Internet funktioniert nach den Prinzipien Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität (VOPA). Um sich die zu eigen zu machen, können Mittelstandsfirmen oft nicht ausschließlich auf bestehende Fachkräfte setzen und müssen es ja auch gar nicht. Wer also seine eigenen Mitarbeiter digital fit macht und ihnen auf allen Ebenen kreative Freiräume lässt, wer in Pilotprojekte investiert und die Teams an Bord holt, die er dafür braucht, der muss sich nicht bange am Sattel ausgereifter Produkte und Dienstleistungen festhalten. Im Gegenteil: der reitet voran.

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Von |2017-01-13T14:49:24+00:00Februar 10th, 2016|Blog|0 Kommentare

Über den Autor:

Willms Buhse
Dr. Willms Buhse ist Experte für Digital Leadership, Gründer und CEO von doubleYUU, einer Managementberatung spezialisiert auf die Digitale Transformation.

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