//„Just Du it“ bei Daimler & Co.: Welchen positiven Einfluss der Wechsel vom Sie zum Du auf die Firmenkultur haben kann

„Just Du it“ bei Daimler & Co.: Welchen positiven Einfluss der Wechsel vom Sie zum Du auf die Firmenkultur haben kann

Zwischen „Sie, liebe Leser“ und „Du, lieber Leser“ gibt es einen erheblichen Unterschied – und das gleich auf mehreren Ebenen. Das „Sie“ schafft Distanz und suggeriert einen respektvollen Abstand. Zudem halten viele Manager das „Sie“ noch immer für einen funktionstüchtigen Schutzwall, um ihre Kompetenz vor allzu forschen Mitarbeitern abzusichern. Dabei sind diese Zeiten selbst in vielen DAX-Unternehmen so langsam endgültig vorbei.

Seit dem Siegeszug der großen US-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley und dem Aufkommen diverser New-Work-Konzepte erhöhte sich auch der Druck auf die traditionellen deutschen Firmen, ihre Kommunikationskultur vom Sie zum Du zu transformieren.

Dieser Wandel kann zu ganz erstaunlichen Veränderungen innerhalb einer Company führen. Ich habe genau das zu Anfang des neuen Jahrtausends bei Bertelsmann erlebt. Damals wurde noch nicht beschlossen, dass Sie abzuschaffen. Es fielen aber die akademischen Titel weg. Aus Dr. Max Medienmanager wurde schlicht Max Medienmanager.

Auf einmal zählten vor allem Kompetenzen und Ergebnisse

Bis dahin hatten die Titel als eine künstliche Barriere fungiert. Auf einmal zählten vor allem Kompetenzen und Ergebnisse.

Was passiert nun mit der Unternehmenskultur, wenn sich die Ansprache vom Sie zum Du wandelt? Erst einmal schafft das Du fast schon automatisch Vertrautheit und Nähe. Das hat interessante positive Folgen: So können wir eine Abnahme der politischen Spielchen innerhalb einer Du-Kultur beobachten. Es gibt weniger – wie man in Konzernen sagt – Tricky-Business. Mit der Distanz eines Sie‘s intrigiert es sich leichter, als wenn man mit jemanden durch das Du sich enger verbunden fühlt.

Das ist die Theorie. Stellt sich die Frage: Wie transformiert man nun eine Sie-Kultur in ein gemeinschaftlicheres Du-Verhältnis? Mit Druck wird das sicher nicht gelingen. Ansonsten ist das Management mehr damit beschäftigt gegen Widerstände zu kämpfen, statt von den positiven Effekten zu profitieren. Tatsächlich gibt es längst mehrere Beispiele, wie man einen solchen Prozess starten und unterstützen kann.

Interessant ist unter anderem das Vorgehen von Daimler und Bosch. Einen wunderbaren und sehr lesenswerten Einblick gibt Oliver Herbert über die Du-Bestrebungen bei Daimler. Bei LinkedIn schreibt er in einem langen Posting dazu, dass es natürlich nicht reichen würde, einfach einen Blogartikel zu schreiben „und alle werden per Du sein. Wichtig ist auch: Diese Aktion ist freiwillig, wir wollen niemanden zwingen, sondern stattdessen mit den ganzen Vorteilen des Du’s überzeugen.“

Sowohl Daimler als auch Bosch setzen auf Armbänder mit dem sichtbaren Logo „@Du – Just „Du“ it“

Im Laufe dieses Prozesses sprachen die Autobauer auch mit den Kollegen von Bosch, die mit einer @Du-Initiative in der IT bereits gute Erfahrungen gemacht haben. „Nach jetzt 5 Monaten sind wir sehr stolz, was wir erreichen konnten, wir hatten alle nicht mit so einer Umsetzungsgeschwindigkeit gerechnet.“ Denn: „Wir konnten über 400 Kollegen über alle Geschäftsbereiche und Managementebenen gewinnen das @Du in ihrem Social Intranet einzutragen und damit allen klar zu machen, ich möchte per Du angesprochen werden. Seit kurzem rollen wir auch das „@Du -Ich bin ein Unterstützer“ in unseren Skype Profilen aus.“

Sowohl Daimler als auch Bosch setzen zudem auf Armbänder mit dem sichtbaren Logo „@Du – Just „Du“ it“. Mit diesem Band symbolisiert der Träger, dass er geduzt werden darf. Eine einfache und effektive Lösung.

Die große psychologische Kraft des Wechsels vom Sie zum Du zeigt sich auch am Beispiel von Otto. Der Versandhändler litt in der Vergangenheit unter einer großen Kluft und Distanz zwischen dem Top-Management und den Mitarbeitern. In dem Moment, in dem der ehemalige CEO Hans-Otto Schrader in einem Blogposting ankündigte, dass er ab sofort nicht mehr Herr Schrader, sondern HOS – für Hans-Otto Schrader sei, näherten sich wie von Zauberhand die beiden Lager an.

Eine Befürchtung vieler Manager ist es, dass mit dem Wechsel vom Sie auf das Du der natürliche Respekt ihnen gegenüber verloren gehen würde. Das stimmt aus meiner Erfahrung so nicht. Wer davor zittert, zittert wohl zurecht. Denn durch die sinkende Distanz rücken die Ergebnisse stärker in den Vordergrund.

Von |2018-12-21T11:52:48+00:00Dezember 18th, 2018|Blog|0 Kommentare

Über den Autor:

Willms Buhse
Dr. Willms Buhse ist Experte für Digital Leadership, Gründer und CEO von doubleYUU, einer Managementberatung spezialisiert auf die Digitale Transformation.

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