Gemanaged oder inhabergeführt – Die Zukunft der Digital-Beratungen

Wie sieht sie aus, die Zukunft der Digital-Beratungen und Agenturen? Sind große Netzwerke noch sinnvoll oder ist die inhabergeführte Digitalagentur ein Auslaufmodell? Mit dieser Frage konfrontierte mich kürzlich die Redaktion des Magazins iBusiness.

Die Redaktion wollten von Meinungsführern wissen, wie die Branche in naher Zukunft organisiert sein wird. Die Fakten sprechen sicherlich für sich: Das jährliche Internetagenturranking zeigt, dass 42 Prozent der Agenturen und Beratungen inhabergeführt oder unabhängig sind. 58 Prozent  sind Netzwerkagenturen. Es zeigt aber auch, je größer die Unternehmen werden, um so weniger von ihnen sind inhabergeführt. Warum eigentlich?

Als Gründer und Inhaber von doubleYUU habe ich dazu natürlich eine sehr klare Meinung. Auch wenn unternehmerisches Denken zur DNA einer inhabergeführten Beratung gehört, steht „Inhaber sein“ für mich für viel mehr. Mehr Leidenschaft, mehr Nachhaltigkeit und mehr Vertrauen und Fairness. Für die Art wie wir zusammenarbeiten. Für die Ansprüche, die wir an uns selbst stellen und für die Erwartungen, die unsere Kunden an uns haben können.

Der iBusiness-Beitrag zeigt, dass die Auffassungen und Selbsteinschätzungen von Inhabern eigener Beratungen und den CEOs der Netzwerkagenturen differieren. Keine wirkliche Überraschung. Die Redaktion kommt allerdings zu dem Schluss, dass Wachstum ab einer gewissen Größe nur noch in einer Netzwerk-Agentur stattfinden kann, weil der inhabergeführten Unternehmung die Hierarchieebenen und die Manpower fehlen. Das sehe ich anders. Ich halte flache Hierarchien und dezentrale Verantwortung für absolut notwendig, um agil und damit kundennah zu bleiben. Eine hierarchiearme Organisation ist nicht gleichzusetzen mit völliger Anarchie. Flache Strukturen bedeuten für mich nicht nur wenige Ebenen, sondern vor allem, dass jeder Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Handeln trägt – und auch tragen darf. Es geht um offene Kommunikation und den gemeinsamen Blick auf das Wesentliche, das Gelingen des Projekts. Wir stellen für jeden Kunden – egal, ob internationaler Konzern oder familiengeführter Hidden Champion – das richtige Team zusammen, eben weil unsere Hierarchien flach und unsere Prozesse schnell und gut durchdacht sind. Gerade das macht die Attraktivität von inhabergeführten Beratungen für Kunden wie Kollegen aus.

Als Inhaber bin ich direkt für den Erfolg meiner Agentur, das Wohlbefinden der Kollegen und damit auch für den Erfolg unserer Kunden verantwortlich. Ich stehe dafür quasi mit meinem Namen. Spoiler: double-u (als Anfangsbuchstabe von Willms) war mein Spitzname in den USA).

Über den Autor: Willms Buhse

Dr. Willms Buhse, CEO und Gründer von doubleYUU, bringt mit Digital Leadership die Innovationen des Silicon Valley in die Büros der deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager wie Volkmar Denner (Bosch) oder Carsten Spohr (Lufthansa) zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an deutschen Elite-Universitäten in Berlin, München oder Hamburg. Dr. Willms Buhse gilt über deutsche Grenzen hinaus als Vordenker der digitalen Elite. Wie kein Zweiter versteht er es, Ideen und Impulse aus der digitalen Welt auf die Realität deutscher Unternehmen zu übertragen.