Digital Leadership & OKR: Mein Vortrag bei #TransformLeadership2030 der Volkswagen AG

Mitte Februar war ich bei der Volkswagen AG eingeladen, um im Rahmen einer groß angelegten Online-Veranstaltung der Volkswagen Group Academy für die ca. 4.000 VW-Führungskräfte zu sprechen. Im Mittelpunkt meines Vortrags standen die Themen Digital Leadership sowie Führen mit Objectives & Key Results (OKR).

Die Veranstaltung war das vierte Modul der Online-Reihe #TransformLeadership2030, welches die Volkswagen AG auf dem Weg zum Mobility-Tech-Unternehmen begleitet. Eine der Kernfragen bestand darin, wie das Unternehmen erfolgreich in der Transformation zu führen ist und vor allem welche neuen Aspekte von Leadership dabei zu berücksichtigen sind. Dazu stellte der Leiter der Group Academy Ralph Linde mit beeindruckender Klarheit den aktuellen Stand des kulturellen Wandels durch Führung dar. An der anschließenden Diskussion über die Herausforderungen von Führung zeigten aus Top-Management-Sicht CIO Beate Hofer und Personalvorstand der CARIAD (der Volkswagen Softwareschmiede) Dr. Rainer Zugehör ihre Führungsperspektiven und Erfahrungen im Kontext von Digitalisierung und Softwareentwicklung auf.

Im Rahmen meines Vortrages „Digital Leadership: Zwischen Freiheit und Verantwortung – Führung zu Agilität und Selbstorganisation“ habe ich zusammengefasst, an was sich Führung in der Transformation orientieren sollte. Eine der Kernvoraussetzungen ist vor allem die richtige Selbsteinschätzung der Verantwortlichen und Handelnden. Wusstet Ihr beispielsweise, dass viele Top-Führungskräfte ihre digitale Kompetenz um mehr als 300 Prozent überschätzen? Erfolgreiche digitale Leader pflegen auch einen anderen Führungsstil: Sie setzen vor allem auf den Einbezug technischer Innovationen innerhalb ihres Verantwortungsbereiches, leben eine Fehlerkultur in der Fehler nicht „geahndet“ oder negativ gewichtet werden und schätzen einen offenen kommunikativen Austausch mit ihren Teams und Partnern – auch und vor allem in Konfliktsituationen. Das hat in erster Linie stark mit den Wertewelten zu tun, aus denen mittlerweile ein Großteil der Mitarbeitenden und Kunden stammen: Während die ältere Generation der „Industry Natives“ vor allem auf Qualität, Sicherheit, Datenschutz und persönliche Beziehungen Wert gelegt hat, stehen für die jüngeren „Digital Natives“ vor allem Schnelligkeit, Offenheit, Transparenz und globale Kontakte im Mittelpunkt ihres Handelns. Dementsprechend muss sich auch zeitgemäße Führung an diesen Wertewelten orientieren und Brücken zwischen den Wertewelten bauen.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, habe ich das mittlerweile in Wirtschaft und Wissenschaft etablierte VOPA-Prinzip entwickelt. Es steht für Vernetzung, Offenheit, Partizipation sowie Agilität und bietet einen Handlungsrahmen für Organisationen jeder Größenordnung – auch für VW. Ein ebenso bedeutendes Konzept stellt Ambidextrie dar. Es beschreibt die „Beidhändigkeit“ (lat., med.) und damit die Fähigkeit, sowohl die rechte als auch die linke Hand gleichgut nutzen zu können. Übertragen auf Unternehmen bedeutet das, gleichzeitig effizient (exploit) und flexibel (explore) zu sein. Für einen Großkonzern, der mit seinen Mitarbeitenden und Produkten auf der Weltbühne steht, ist das Beherrschen von Ambidextrie unerlässlich, um zum Beispiel das Bestandsgeschäft in der Gegenwart optimal zu managen, jedoch auch die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

Zudem bin ich in meinem Vortrag auf die zeitgemäße Gewichtung von Führungsprinzipien eingegangen, da sich hier vor allem hinsichtlich der pre- und post-Corona-Zeit ein Wandel vollzogen hat. Die Gratwanderung zwischen Detailkompetenz und Systemverständnis, Konzentration von Entscheidungsmacht gegenüber Kooperation bei Entscheidungen oder etwa das Verhältnis von Planung und Agilität sind allesamt Parameter, deren Gewichtung bei Organisationen durchaus über Erfolg oder Misserfolg mitentscheiden können.

Den ersten Teil meines Vortrages habe ich mit einer überraschenden Erkenntnis geschlossen, die eine MIT-Studie hervorgebracht hat: Da Künstliche Intelligenz (KI) schneller, objektiver und flexibler entscheidet, fühlen sich Mitarbeitende von „Robotern“ besser verstanden als von menschlichen Management-Akteuren. Ein Learning, dass jedem Manager zu denken geben sollte.

Eines der Schwerpunktthemen, denen wir uns in der Beratung bei doubleYUU widmen, ist die Management-Methode OKR (Objectives and Key Results). In ihrer Eigenschaft als Steuerungsinstrument für Digital Leadership sind OKR hochinteressant, daher habe ich dem Thema den zweiten Abschnitt meines Vortrages bei VW gewidmet. Im Mittelpunkt stehen hier folgende Fragen:

  • Warum sind manche Menschen und Organisationen innovativer, einflussreicher und profitabler als andere?
  • Warum haben manche eine größere Loyalität von Kundschaft und Mitarbeitenden gleichermaßen?
  • Warum können selbst unter den Erfolgreichen so wenige ihren Erfolg immer wieder wiederholen?

In Bezug auf OKR habe ich hervorgehoben, warum Führung durch den Einsatz von OKR automatisch besser wird. Dazu haben sich in vielen unserer Projekte über die Jahre vor allem folgende Learnings ergeben:

  • Agilität und Transformation vorleben: Die Veränderung fängt bei den Führungskräften an
  • Führung wird partizipativer und steigert damit bei Mitarbeitenden die Motivation
  • OKRs stellen einen Bezug zwischen Strategie und täglicher Arbeit her
  • Einheitliche Steuerung für Effektivität und Effizienz (siehe Ambidextrie)
  • OKRs geben Fokussierung, Klarheit und Orientierung auf das Wesentliche
  • Feedback-Schleifen ermöglichen konstante Verbesserung

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei der Volkswagen AG sowie der Volkswagen Group Academy für die Einladung und Julianne Kalb mit ihrem Team für die tolle Vorbereitung bedanken. Das Thema sowie die Zusammenarbeit haben mir eine Menge Freude bereitet und ich hoffe, dass ich einige spannende Akzente und Orientierungshilfen geben konnte.

Habt Ihr Lust bekommen auf die Themen Digital Leadership, digitale Transformation, agile Organisation und wie Euch die OKR-Methode weiterhelfen kann? Dann freuen wir uns auf Eure Kontaktaufnahme.

Über den Autor: Willms Buhse

Dr. Willms Buhse, CEO und Gründer von doubleYUU, bringt mit Digital Leadership die Innovationen des Silicon Valley in die Büros der deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager wie Volkmar Denner (Bosch) oder Carsten Spohr (Lufthansa) zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an deutschen Elite-Universitäten in Berlin, München oder Hamburg. Dr. Willms Buhse gilt über deutsche Grenzen hinaus als Vordenker der digitalen Elite. Wie kein Zweiter versteht er es, Ideen und Impulse aus der digitalen Welt auf die Realität deutscher Unternehmen zu übertragen.