Netflix Co-CEO Reed Hastings ist ein großer Fan von Homeoffice. Er weiß es nur noch nicht …

Netflix habe ich schon immer für eine hochinteressante Company gehalten – trotz des Gegenwindes der letzten Zeit. Meine ersten Berührungspunkte hatte ich mit dem Unternehmen, als ich für die Bertelsmann AG als Technologie-Scout Anfang der 2000er im Silicon Valley unterwegs war. Mein Interesse galt dabei auch dem kulturellen Ansatz des Unternehmens.

Zwanzig Jahre später ist Netflix in schwerem Fahrwasser.

Netflix hat kein gutes Jahr. Nicht nur dass der Börsenwert des Streaming-Giganten seit November 2021 um circa 70 Prozent gefallen ist, nun droht auch noch operatives Ungemach. Wie branchenübergreifend viele andere Unternehmen hat auch Netflix im Abklang der Corona-Pandemie scheinbar Probleme damit, seine Belegschaft dahingehend zu motivieren, wieder ins Office zurückzukehren. In einem spannenden Interview mit der Wall Street Journal (Paywall) hat sich Co-CEO Reed Hastings gegen Remote Work und Homeoffice positioniert und es als etwas negatives beschrieben. „Ich sehe keine Vorteile (in der Arbeit von zu Hause aus)“, sagte Hastings dem Journal. „Nicht in der Lage zu sein, sich persönlich zu treffen, insbesondere international, ist ein reines Negativ.“

Aber: Hat er das wirklich so gemeint?

Erinnern wir uns an die legendäre „Culture“-Präsentation, die Reed Hastings 2017 veröffentlicht hat. Ex-Facebook-COO Sheryl Sandberg hat das PowerPoint-Deck als „vielleicht das wichtigste Dokument, das je aus dem Silicon Valley kam“ bezeichnet. In dieser Präsentation, die weltweite Beachtung gefunden hat, finden sich erstaunliche Statements. Zum Beispiel:

  • „Wir messen Mitarbeitende nicht dran, wie viele Stunden sie arbeiten oder wie lange sie im Büro zugegen sind“
  • „Uns kommt es auf großartige Arbeit an“
  • „Verantwortungsbewusste Menschen leben von der Freiheit und sind der Freiheit würdig“

Darüber hinaus beschreibt Hastings das Netflix-Modell der Zusammenarbeit als „stark aneinander ausgerichtet, jedoch nur lose aneinandergekoppelt.“ Und damit hat Hastings bereits Jahre vor Corona und der Remote-Work-Revolution einige der Erfolgsfaktoren erkannt, die dezentral arbeitende Organisationen ausmachen. In den sieben Aspekten der Netflix-Kultur finden sich noch weitere sehr zeitgemäße Aspekte, die heutzutage mehr Gültigkeit und Relevanz haben als jemals zuvor: Es kommt dem Unternehmen auf „Freiheit & Verantwortung“ an, auf „Kontext, nicht Kontrolle“ sowie an Entwicklung von Mitarbeitenden.

Keine dieser wichtigsten Attribute der Netflix-Kultur erfordern ein Office oder gar Präsenz in einem solchen. Vielmehr beansprucht das Unternehmen Werte für sich, wie sie kompatibler zur neuen Arbeitswelt nicht sein können. Werte, die das Streaming-Unternehmen und einstige Börsenstar bereits in seiner DNA verankert hat, während andere Unternehmen sich erst an der neuen Situation ausrichten müssen.

Viele Organisationen begreifen momentan, dass die neue Art zu arbeiten einen neuen Führungsstil erfordert. Alte Methoden – auch wenn sie sich jahrzehntelang bewährt haben – scheinen nicht mehr zu greifen. Um Unternehmen erfolgreich durch den (auch digitalen) Wandel zu führen, setzen wir immer wieder auf die OKR-Methode (Objectives and Key Results). Dieser Ansatz eignet sich unter anderem hervorragend dazu, Organisationen neu auszurichten und an gemeinsamen Zielen zu orientieren.

Durch OKRs wird Führung automatisch besser:

  • Agilität und Transformation vorleben: Die Veränderung fängt bei den Führungskräften an
  • Führung wird partizipativer und steigert damit bei Mitarbeitenden die Motivation
  • OKRs stellen einen Bezug zwischen Strategie und täglicher Arbeit her
  • Einheitliche Steuerung für Effektivität und Effizienz (siehe Ambidextrie)
  • Es gibt Fokussierung, Klarheit und Orientierung auf das Wesentliche
  • Feedback-Schleifen ermöglichen konstante Verbesserung
  • Unternehmensziele werden erfolgreich mit Team-Zielen synchronisiert
  • OKRs ermöglichen Unternehmen den Weg von einer Fehler- zu einer Feedback-Kultur

Habt Ihr Lust bekommen auf die Themen strategische Beratung, Digital Leadership, digitale Transformation, agile Organisation, wie Euch die OKR-Methode weiterhelfen kann oder eine berufsbegleitende Promotion? Dann freuen wir uns auf Eure Kontaktaufnahme.

Über den Autor: Willms Buhse

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Dr. Willms Buhse, CEO und Gründer von doubleYUU, bringt mit Digital Leadership die Innovationen des Silicon Valley in die Büros der deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager wie Volkmar Denner (Bosch) oder Carsten Spohr (Lufthansa) zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an deutschen Elite-Universitäten in Berlin, München oder Hamburg. Dr. Willms Buhse gilt über deutsche Grenzen hinaus als Vordenker der digitalen Elite. Wie kein Zweiter versteht er es, Ideen und Impulse aus der digitalen Welt auf die Realität deutscher Unternehmen zu übertragen.