Unsere Local Motors-Studie: Industrie-Reaktionen und Presse-Feedback

Gleich zwei gute Nachrichten haben uns, die wir lange an der Local Motors-Studie geschwitzt haben, den Tag versüßt: Zum einen ist nun auch die aktualisierte Version der Studie online. Besonders spannend dort zu lesen, wie die Vertreter der deutschen Automotive-Industrie auf Local Motors reagieren. Wir verraten sicher nicht zuviel, wenn wir hier schon mal schreiben, dass Local Motors als Unternehmen und als Konzept nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Aber lesen Sie selbst, die detaillierten Ergebnisse und Stellungnahmen von erfahrenen Automanagern im zweiten Teil der Studie finde Sie ab Seite 67.

Zum anderen war unsere Arbeit dem Magazin Technology Review eine Geschichte wert. Sie trägt den Titel „Das Open-Source-Auto“ und ist in der neusten Ausgabe 12.2011 zu finden.

Wir schauen jetzt mal, ob und welche Wellenschäge die Studie in der Industrie auslöst.

Für uns bleiben erst einmal als Learnings:

1) Die Autoindustrie nimmt das Thema Co-Creation ernst, aber sieht es nicht als Zukunftsmodell für die etablierte Massenfahrzeugindustrie.

2) Als größte Hemmschwellen für eine großflächige Umsetzung von Co-Creation in der deutschen Automobil-Industrie erscheinen die rechtlichen, technischen und praktischen Bedenken der Verantwortlichen. Im Grunde aber ist Mindset der Industrie dafür verantwortlich, dass vor allem Risiken (die könnte man angehen und in de Griff bekommen) und weniger die Chancen gesehen werden. These von uns: Mit dem bevorstehenden großflächigem Einzug der Generation der Digital Natives (ab Jahrgang 1980) sind in die Führungsebenen Veränderungen im Mindset zu erwarten.

3) In Sachen Enterprise 2.0 hat die Industrie hat den Wert digitaler Vernetzung noch nicht verstanden – nicht einmal intern.

4) Nichtsdestotrotz wird Co-Creation einen zunehmenden Einfluss haben, Kunden werden vermehrt in Fahrzeugdesign eingebunden.

5) Dazu braucht es vermehrt sichere, skalierbare, einfach zu bedienende Plattformen.

6) Communities müssen aufgebaut und kontinuierlich gepflegt werden. Das Beispiel-Case Local Motors zeigt, dass neben der richtigen Technikplattform auch die engagierte, nachhaltige, kompetente und hartnäckige Arbeit von Community-Managern für den Erfolg von Co-Creation unabdingbar ist.

7) Es sind massive Investitionen nötig, um die Produkte der Automotive-Industrie auf digitale Augenhöhe mit denen aus angrenzenden Industrien wie Consumer Electronic oder Telekommunikation zu bringen.

Kunden immer mal wieder Projektweise bei App-Ideenwettbewerben anzusprechen und ab und an mal Partizipation zu gewähren, reicht in Zukunft wohl nicht mehr aus. Die Kunden drängen in den Boardroom, wollen mitmachen, mitbestimmen. Wir sind gespannt, welche Autobauer, sich als erstes so aufstellen, dass sie von dieser Dynamik profitieren.

Von | 2017-01-13T15:51:37+00:00 Dezember 14th, 2011|Blog, Unkategorisiert|1 Kommentar

Über den Autor:

Willms Buhse
Dr. Willms Buhse ist Experte für Digital Leadership, Gründer und CEO von doubleYUU, einer Managementberatung spezialisiert auf die Digitale Transformation.

Ein Kommentar

  1. Jens Otto 5. Januar 2012 at 12:58 - Reply

    Hi, Lars, als „Co-Creator“ der Studie finde ich es natürlich bedauerlich, das die Branche zur Zeit noch zögert. Aber wie so oft ist es sicherlich eine Frage der Zeit, bis das Internet in allen seinen Dimensionen in der Tiefe der Autoindustrie angekommen ist. Ich erinnere nur an die Anfänge anderer Branchen in der guten alten New Economy der Endneunziger. Bereits damals wurden gern kleine Schnellboote (Bank24 der Deutschen Bank, Comdirect der Commerzbank, Shopping24 von Otto) ausgegründet, um die etablierten Mutterhäuser frei von Risiko zu halten und schlanke Organisationen zu ermöglichen. Später wurden sie dann zum Teil wieder in das Mutterschiff integriert.

    Wie wäre es also, zunächst kleine „Innovationsmarken“ aufzulegen, die mit eigener Organisation, Maßkonfektion und Kleinserien zunächst risikoarm die Möglichkeiten des Internet ausreizen?

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